Geburtsbericht meiner Zwillinge

9/18/2016

Zwei Jahre ist es schon her, dass ich mit leichter Übelkeit ins Krankenhaus gefahren wurde und drei Stunden später zwei gesunde hübsche Buben im Arm halten durfte.

Eine Zwillings-Geburt stellen sich viele brutal vor. Aber ich kann nur sagen, dass es im Vergleich zu meiner ersten Geburt ein Spaziergang war. Jedes Kind ist anders - jede Geburt ist anders! Beim ersten Mal waren wir verunsichert und enttäuscht, dass es nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. Drei Schichten unterschiedlichster Hebammen und Ärzte, die alle einen ratlosen Eindruck ob des Geburtsstillstands bei 7 cm gemacht haben und ein Chefarzt, der keine Gelegenheit ausließ seinen Hebammen zu widersprechen - was zu einem großen Maß an Verunsicherung unsererseits beitrug. So war das vor fast vier Jahren bei meinem Ältesten.

Vor zwei Jahren war alles anders:
Bis zu den Presswehen hatte ich keinerlei schmerzhafte Wehen. Lediglich Übelkeit und Schwindel kündigten mir an, dass etwas anders ist. Ich kam mit ca. 6 Zentimetern Muttermundöffnung ins Krankenhaus. Nach einem Einlauf und richtig schön viel Zeit alleine (!) auf dem Klo. Ging es schon los. Ich musste auf die Liege und die Hebamme schrie meinen Mann an, der noch fragte wo er hier das Kreuzchen für die PDA machen solle:"Ich sehe schon den Kopf, wir brauchen hier keine PDA mehr!" Als sich die Nachricht im Krankenhaus herum sprach, dass Zwillinge auf natürlichem Wege und ohne Betäubung zur Welt kommen, füllte sich der Kreißsaal und es trat das ein, was wir schon bei der ersten Geburt hatten: Ein Geburtsstillstand bei ca. 8 cm Muttermundöffnung.

Ein weitere beherzter Rüpel der (coolsten) Hebamme (der Welt) - "Alle raus, die hier nichts zur Geburt beizutragen haben. Sie brauchen sich gar nicht wundern, dass hier nichts voran geht, bei so vielen Zuschauern!" Mittlerweile standen etwa 30 Ärzte, Hebammen, Schwestern und Praktikanten um mich herum und schauten dabei zu wie einfach alles aus mir rauslief, was laufen kann... Ich habe mich alles andere als wohl gefühlt und war so dankbar, als sich der Kreißsaal leerte. Dann bekam ich eine homöopathische Infusion und es ging weiter. Problematisch bei meiner wahrscheinlich seltsamen Anatomie war, dass der Muttermund sich nicht vollständig öffnen konnte (war schon bei der ersten Geburt)und er schließlich nach vielen schmerzhaften Presswehen, die wenig bewirkten, vom Oberarzt (persönlich) nach unten gedrückt wurde, sodass alles seinen natürlichen Lauf gehen konnte.

Der erste Zwilling ist förmlich aus mir heraus gepurzelt. Seine Nabelschnur war so kurz (bloß etwa 5 cm), dass nur wenig Zeit für's Auspulsieren oder Ähnliches blieb. Dennoch nahmen sich der Oberarzt und auch die Hebamme kurz Zeit, bis sie meinen Mann dazu aufforderten die Nabelschnur durchzuschneiden.

Meinen ersten Zwilling durfte ich in den Armen halten, bis die weiteren Presswehen für den zweiten Zwilling stärker wurden (etwa nach 5 Minuten). Danach durfte sich der Papa das kleine Bündel auf die Brust legen und mit ihm auf einen Schaukelstuhl. Der kleine Mann schrie erst, als er von meiner Brust genommen wurde. Beruhigte sich bei seinem Vater aber schnell wieder.

Auch die zweite Geburt ging - im Nachhinein betrachtet - schnell. Es war schwer, ja. Aber auch genial, was für eine Kraft ich entwickelt hatte, nachdem ich bereits mein erstes Baby zur Welt gebracht hatte. Ich konnte die Geburt meines zweiten Babys perfekt visualisieren. Stellte mir dieses hübsche Wesen vor, zerbrechlich, süß und so zart - wie sein Bruder, der gerade im Arm seines Vaters einschlief. Und - da war er auch schon da. Im Vergleich zu seinem Bruder, ganz rosig und temperamentvoll. Er schrie auch gleich - was sein Bruder nicht getan hatte. Hier blieb die Nabelschnur ein wenig länger dran. Und da der Papa, ja alle Hände voll zu tun hatte, fragte ich, ob ich denn die Nabelschnur selbst durchschneiden dürfe. Das war ein geniales Gefühl. Und ich habe mich auf einmal wie eine Heldin gefühlt. Im Kreißsaal stockte kurz allen Anwesenden (zwei Hebammen, einer Geburtshelferin, Oberarzt, Chefarzt und Praktikantin) der Atem.

Aber die Geburt war noch nicht geschafft. Trotz, dass zwei gesunde Kinder auf der Welt waren, herrschte weiterhin eine gewisse Anspannung unter den Geburtshelfern. Denn es galt eine weitere Geburt zu bewältigen. Die Plazenta war noch nicht da. Und dafür bekam ich dann zum ersten Mal Okytocyn über den Tropf. Auch meine Kräfte haben mal ein Ende. Die Zwillinge teilten sich eine Plazenta, die so groß und schwer war wie ein weiterer Säugling. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber, dieses Ding zu gebären war schwieriger als meine Zwillinge. Naja, meine Kraft, war ja wie gesagt auch schon am Ende.

Die Geburt war schmerzhaft. Und es war schwer. Ich habe alle Muskeln in meinem Körper benutzt, die mir zur Verfügung standen. Und auch Hebammen, Geburtshelferin und der Oberarzt waren schweißgebadet danach. Toll war, dass ich trotz ziemlich blöder Gebärposition auf diesem komischen Liegebett viele Hilfestellungen meiner Geburtshelfer bekommen habe. So durfte ich beispielsweise die Beine gegen die Schultern des Arztes drücken und die Hebammen hielten meine Hände.

Ich glaube von allem, was ich in meinem Leben bisher geleistet habe, ist die Geburt meiner drei Kinder - vor allem aber die Zwillingsgeburt, die Leistung auf die ich am stolzesten bin.

Im Nachhinein kann ich allen, denen eine Zwillingsgeburt bevor steht nur Mut zusprechen. Mut, auf den eigenen Bauch zu hören. Und wenn der sagt, "Hei, wir liegen so perfekt beide mit dem Köpfchen nach unten, was brauchen wir da einen Kaiserschnitt!?" dann am besten auch von niemandem rein reden lassen. Die haben ja keine Ahnung, welche Kraft in uns Müttern steckt. Und wirklich - jede Geburt und jedes Kind ist anders. Auch wenn schlechte Erfahrungen der ersten Geburt einen plagen, immer daran glauben, dass alles gut wird.





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2 Gedanken zu

  1. Liebe Andrea, ich hab beim Lesen voll Gänsehaut bekommen... Das hast du echt sehr schön geschrieben bzw beschrieben. Ich hoffe, dass ganz viele zukünftige Zwillingsmama diesen Beitrag lesen werden!
    Liebe Grüße,
    Pau ❤️

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    1. Vielen lieben Dank! Ehrliche und lieb gemeinte Kommentare sind das Brot auf meiner Butter... Oder so :-)
      Nein, im Ernst - es bedeutet mir viel ein nettes Feedback zu bekommen, denn ich offenbare da immer viel Privates von mir und bin was das angeht überhaupt nicht unverwundbar...

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