Mein Freund der Porsche

5/30/2016

Unsere Zwillinge (1 1/2 Jahre alt) erweitern gerade ihren Wortschatz enorm. Sie sprechen nicht nur alles nach, sondern wollen auch Zusammenhänge verstehen und richtig wiedergeben. Gestern Nacht hatten wir mal wieder eine zahn- äh schlaflose Nacht (wegen Zahnens). Der ältere Zwilling tut sich irgendwie schwer nachts wieder einzuschlafen, wenn ihn die Zähne plagen und ist meist Stunden wach. In denen ist ihm die Ansprache seiner Eltern sehr wichtig. Mein Mann und ich haben ihn zu uns Bett genommen und natürlich blieb der übliche mitternächtliche Smalltalk nicht aus. Der Kleine hat Namen aufgezählt und wir haben ihm anhand der Namen (Kinder in unserem Umfeld) versucht zu erklären, was Freunde sind. Irgendwann zählt er von sich aus auch die Namen seiner Brüder und natürlich "Mama", "Papa", "Oma" und "Opa" auf. Die Krönung war dann: "Porsche Cabrio Freund". Wunderbar wie uns die Kleinen schon zeigen, was ihnen gut gefällt. Das sind nämlich, so ganz "jungentypisch" Auto- und Motorradmarken, Fußballer (die Zwillinge lernen die Namen der Nationalmannschaft anhand der Sammelkarten aus dem Supermarkt auswendig) und Tiere.


Das Wort "Freunde" bekommt bei dieser Herangehensweise eine neue Bedeutung. Und das regt mich zum Nachdenken an. Was sind Freunde für die Kinder? Was/ wen bezeichnen wir als Freunde?

Vor ein paar Tagen haben wir uns zum Spielen verabredet. Es war einer der Tage, an denen die Zwillinge bei Oma und Opa sind und ich mit dem Großen allein unterwegs bin. Wir haben uns mit einer Bekannten verabredet und Ihrem für meinen Sohn bislang unbekannten Jungen. Bevor wir aufbrechen, will er den Namen des Jungen wissen und ob das nun sein Freund sei. Was sagt man da? Papa hatte eine gute Antwort parat: "Jetzt schaust Du erst mal, ob ihr euch vertragt und lernst ihn erst mal kennen!" Trotzdem war mein Sohn so euphorisch, dass es einfach nur schief gehen konnte. Und aus dem vermeintlichen "Spiel-Date" wurde eine nette Vorschau für Mama, wie Mobbing unter Kindern aussehen kann. Einer/ der Kleinste/ meiner stand halt immer außerhalb und durfte einfach nicht mitspielen. Erschütternd, traurig, aber definitiv für was gut. Denn es regt mich zum Nachdenken an und ich versuche in Zukunft solche Situationen zu vermeiden, so gut ich kann.

Am nächsten Tag haben wir uns auf dem Spielplatz mit "echten Freunden" verabredet. Eine nette Familie mit Kindern die gleich alt sind und meine Jungs (und uns Eltern) ins Herz geschlossen haben. Der Spielplatztreff war das absolute Gegenteil, vom Tag zuvor. Es waren mindestens 15 Kinder und mindestens 8 Eltern. Nicht nur der niedrige Altersdurchschnitt der Kids auch die freundlichen Mütter, die stets die ganze Runde mit Essen, Sandelsachen oder auch Aufmerksamkeit bedacht haben trug für alle zu einer nahezu entspannten Atmosphäre bei. Klar gab es auch Rangeleien und Streitereien über Bälle und Bagger, aber die Kinder haben sich nicht gruppenweise über Schwächere oder Kleinere hergemacht.

Freunde sind Menschen, die wir kennen - Studien- und Schulfreunde, Weggefährten. Sie kennen uns lange und wissen, wie es uns geht, ohne dass wir es ihnen sagen müssen. Andere aber kennen wir nicht so lange, doch sie sind in der selben Situation und verstehen unsere Verzweiflung, Müdigkeit oder Freude, weil sie Leidensgenossen sind. 
Manchmal sind auch andere Dinge Freunde. Manche verrückte Jugendliche würden beispielsweise ihr Handy oder ihre Konsole als "Freund" bezeichnen. Weil sie unheimlich viel Zeit damit verbringen. Manch ein Workholic bezeichnet seine Arbeit oder gar seinen Chef als Freund.

In meiner Situation würde ich natürlich zu allererst auch meinen Mann als Freund bezeichnen. Denn er erlebt alles mit, ist immer da und hilft mir viel. Aber auch unsere Vorlesetante ist eine Freundin. Sie passt auf die Kinder auf und ich unterhalte mich so gerne mit ihr. Sie gibt uns das Gefühl verstanden zu sein, was in einer Freundschaft einfach wichtig ist. Und dann gibt es da noch das Yoga, das ich neu für mich entdeckt habe, und das gerade dabei ist ein enger Freund von mir zu werden. Sobald ich freie Minuten für mich habe, übe ich - und es gibt mir so viel und regt mich dazu an Dinge aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Auch das macht eine Freundschaft aus - sich gegenseitig Anstöße zu geben.

Vielleicht ist auch irgendwann ein Porsche Cabrio mein Freund - aber ehrlich gesagt tut es manchmal auch gut alte Freundschaften zu pflegen - und vielleicht auch alte Autos. Meinen knallroten Fiat 500 würde ich nicht einmal gegen einen Porsche eintauschen wollen! Ehrlich!

In jedem Fall ist es wichtig und schön Freunde zu haben. In diesem Sinne: "Seid lieb zueinander!"




You Might Also Like

1 Gedanken zu

  1. Wow - danke für den Beitrag - ja Freunde - sie wechseln das ganze Leben - und manche verliert man unterwegs - andere trifft man 20 Jahre später und kann genau da anfange wo man aufgehört hat........

    für Kinder sind es echt harte Erfahrungen - dass nicht jeder sie so liebt, wie es die Eltern tun...trotz allem und obwohl es natürlich viel schöner wäre wenn alle Menschen sich lieben würden - lernen sie daraus - eben wieder für das Leben in dem es Sympathie und Antipathie gibt..

    Mobbing unter Kindern ist echt enorm grausam und ich habe die Erfahrung, dass es in der Schule richtig losgeht - doch auch hier müssen die Eltern erkennen - führen - und anleiten - echt hart das Leben auch schon für unsere kleinen Engelchen.

    AntwortenLöschen

Diesen Blog durchsuchen

Newsletter: