Ich bin nicht perfekt

11/27/2015

"Irgendwann wirst Du die Erkenntnis haben, dass Du nicht perfekt sein kannst - und dass das auch gar nicht schlimm ist.", sagt mein Schwiegervater  zu mir und mir gehen auf einmal 1.000 Kronleuchter auf. Die letzte Woche habe ich mir viele Gedanken gemacht: darüber was ich schreiben soll oder warum mich manchmal die "Aufräum-Wut" packt, wenn ich mal wieder gesehen habe, wie es in anderen Familien (mit ein oder zwei Kindern) aussieht. Jetzt wird aufgeräumt:


Ich bin nicht perfekt, weil ich fast den ganzen Tag im Schlafanzug rum renne, mich nicht style - geschweige denn schminke oder die Haare wasche. Stellt euch vor: die Schlafzeiten meiner drei kleinen Kinder lassen es momentan einfach nicht mehr zu, dass ich tagsüber OHNE BABYSITTER duschen kann... Haha! Das klingt jetzt wieder - <Suche sexy Babysitter zum gemeinsamen Duschen>  Ts ts ts... Aber mal ehrlich - so schlimm ist das gar nicht. Gottseidank ist mittlerweile kalter Winter, und ich kann mit dicker Mütze (und richtig fettigen Haaren) sogar einkaufen gehen. Und für wen oder was soll ich mich stylen oder schminken. Soll ich meinen Schwiegereltern oder meinen Schwestern, die mir regelmäßig mit den Kleinen helfen vorgaukeln, dass ich suuuper ausgeschlafen bin und meine riesen Augenringe unter dicken Schichten von Make-up verstecken. Alles was ich anziehe ist innerhalb kurzer Zeit eh mit irgendwas verschmiert, warum soll ich mir dann gleich meinen schicken NAKETANO-Pulli und meine Lieblings-Jeans anziehen, wenn es doch auch ein süßer gepunkteter Schlafanzug tut. Sieht ja keiner - und meine drei Jungs mögen es vor allem wenn noch bunte Tierchen darauf abgebildet sind.

Ich bin nicht perfekt, weil ich das Haus nicht perfekt gestylt hab. Ich bin, seit wir eingezogen sind, erst vor ein par Wochen zum Bilder aufhängen gekommen. Und immer noch nicht damit fertig. In freien Regalbrettern tümmeln sich keine Deko-Figuren oder kleine Väschen mit Blümchen - ICH HABE GAR KEINE FREIEN REGALBRETTER. Meine Regalfächer werden doppelt und dreifach bestückt. Dinge, die ich vor meinen Kindern fernhalten will, schmeiße ich z.B. hinter die Bücher oder ich lege sie oben auf die Bücher drauf. In einem Regalfach herscht sogar so eine Unordnung, dass es nicht wundert, dass die Jungs trotz Kletterversuche in Richtung Telefon und Fernbedienung, die Nagelschere noch nicht gefunden haben... Auch Unordnung hat ein Prinzip. Statt schicker shabby Laternen oder Holzkistchen mit Stofffrüchtchen stehen bei mir große gelbe Bagger, Lastwagen und Motorräder rum. Trotz Laufgitter fällt die (uralte) Stereoanlage auseinander, weil sämtlich Knöpfe und Hebel von den Kinden bereits über den Anschlag gedreht wurden. Das GROßE CD-Regal, auf das wir ziemlich stolz sind, weil wir - mein Mann und ich - es doch tatsächlich geschafft haben, bevor wir uns kennen gelernt haben, fast dieselben CDs zu kaufen, also vieles doppelt drin steht - ist mittlerweile ausgeräumt. Dass wir nicht jeden Morgen mit einem lauten "Nein, lass die CDs bitte im Regal!" oder "Heidenai, wir habe euch doch schon so oft gesagt, dass ihr nicht mit CDs werfen sollt!!" beginnen müssen, haben wir kurzerhand die CDs in eine große Umzugskiste verbannt und auf den Speicher getragen.

Ich bin nicht perfekt, weil ich keine super süßen beste Freundinnen mit gleich vielen Kindern habe. Hmmm, und das nagt schon ein bisschen an mir... Gleich gesinnte Freundinnen zu haben, wäre manchmal auch schön - jemand der einen versteht. Aber hey - ich habe keine Zeit für soziale Kontakte. Ist leider echt so. Es ist ein mega Aufwand alle Kinder fertig gewickelt und angezogen zur Nachbarsfreundin zum Spielen zu karren. ICH BRAUCH 45 MINUTEN! Und bin danach alles andere als fresh. Die wenigen Freunde, die ich habe, sind alt - also hab ich schon lange und die meisten wohnen, wegen meiner Umzügen auch in der Weltgeschichte verteilt. Wir sehen uns nur selten, aber teilen trotzdem viele schöne Momente zusammen - die ich nicht ständig auf Facebook aller Welt präsentieren will! Klingt vielleicht blöd, und das ist jetzt auch schon wieder annähernd perfekt, ich habe EINEN BESTEN FREUND: meinen Mann. Er versteht mich und ich kann ihm immer alles erzählen. Praktisch ist, dass wir sogar im gleichen Haus wohnen und uns auch zwischen Zwei Boxen-(Windel-)-Stopps noch kurz austauschen können.

Ich bin nicht perfekt, weil ich DREI Kinder habe. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, das weiß ich. Aber ich denke verdammt oft, was für ein easy Leben es mit nur zwei Kindern wäre. Urlaub zu zweit, Urlaub mit Flug oder Wellness - das sind Dinge die, für uns wahrscheinlich die nächsten drei Jahre (mindestens) tabu sein werden. Wie soll das gehen, unsere Omas und Tanten sind super und haben es echt drauf, aber keiner traut sich (bis jetzt) zu, alle drei für mehr als 3 Stunden zu nehmen. Und das ist auch verständlich. Ich bin halt Vollzeit-Mama und habe mich vor drei Jahren ganz bewusst dafür entschieden nicht nur biologisch Mutter zu werden, sondern auch beruflich. Die ersten drei Lebensjahre "gehören meine Kinder mir". Ich betreue sie eins zu eins - also jetzt drei zu eins, spiele, male, bastle und pflege sie. Ich wickel sie so oft und so schnell ich kann, gebe ihnen zu essen und zu trinken so viel sie wollen - und das so gesund wie möglich. Baby-Brei und Beikost habe ich immer selbst zubereitet und ich bestelle mein Gemüse beim Bio-Bauer. Das alles ist mir wichtig. Wichtiger als meine Freizeit, die ich hätte, wenn alle drei in der Kita wären.

Ich bin nicht perfekt, weil ich keinen perfekten Blog habe. Ich habe keine gestylte Homepage mit Gliederung und Suchfunktion. Meine 10.000 Follower (schön wär's) lesen keine täglichen Beiträge und bekomen keine Live-Stream-Bilder von unserem Mittagessen auf den Schirm. Mir fällt auch nicht zu jedem Thema was ein. Und nur damit ich sagen, kann, dass ich regelmäßig schreibe, sauge ich mir sicher keine Themen aus den Fingern wie "Ins Schwimmbad mit Zwillingen - was ist zu beachten" (So ein Quatsch!). Wer will so nen Stuss schon lesen!

Ja, ich bin nicht perfekt. Und sich das einzugestehen, tut unheimlich gut. Das alles runter zu schreiben befreit irgendwie. Vielleicht sollte sich jeder, der oft genug an sich selbst zweifelt, das öfter sagen und genau raus finden, warum man nicht perfekt ist. Vielleicht kann man sogar ein bisschen darauf stolz sein, nicht perfekt zu sein.

Doch in einem muss ich einfach nur immer wieder denken: PERFEKT! Wenn ich meine Kinder anschaue! Was wäre ich für eine Mama, wenn ich meine Kinder nicht perfekt finden würde. Perfekt - genau so wie sie sind!

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