Freunde ohne Kinder

10/06/2015

Zum ersten Mal seit die Zwillinge da sind durften mein Mann und ich abends ausgehen. Auf dem Fest, auf das wir gegangen sind, haben wir einige alte Freunde getroffen - deren Kontakt zu uns (beiderseitig) seit die Zwillinge da sind sehr abgenommen hat. Alle haben (bisher noch) keine Kinder.


Oft verliefen unsere Gespräche mit den Freunden gleich: wir haben versucht anschaulich zu erklären wie viel Arbeit es mit drei Kindern inklusive Zwillingen bedeutet und das alles mit extremem Schlafmangel. Die Situation "ohne Kinder" ist für uns etwas mehr als zwei Jahre her - eigentlich noch greifbar. Und  wir können uns nur zu gut erinnern, dass wir keinen Schimmer vom "Eltern-Stress" hatten.
Bei unseren Gesprächen hatten wir eigentlich immer den Eindruck erklären zu müssen, warum wir nicht öfters zu zweit ausgehen, warum wir so übernächtigt aussehen oder wieso wir nicht zur nächsten Sauna-Session mitkommen. Beim vierten oder fünften Gesprächspartner bekam ich zu hören: "Aber es sind doch alle gesund. Keiner liegt im Krankenhaus oder ist behindert oder so. Es hätte doch auch alles schlimmer kommen können. Seid doch zufrieden!" Da war ich kurz sprachlos und musste die ganze Zeit darüber nachdenken, ob wir zu viel jammern. Und warum.

Aktuell habe ich bei Stadt-Land-Mama einem ähnlichen treffenden Artikel gelesen (Hättste halt keine Kinder gekriegt!). Ihr Vorschlag: kontern. Dir macht dein Garten zu viel Arbeit? Sei doch froh, dass du überhaupt einen hast. Dich stört das Pendeln zur Arbeit? Sei doch froh, dass du nicht arbeitslos bist. (Natürlich alles etwas übertrieben...)

Oder wir erzählen den Leuten einfach nur noch wie toll unsere Kinder eigentlich sind - was ja auch stimmt. "Kind 1 läuft schon" "Kind 2 sagt schon Mama und ist so süß wenn er sich an die Haustüre stellt und winkt" "Kind 3 ist so verschmust und geht jeden Abend so lieb ins Bett" Ich glaube nicht wirklich, dass das die diversen Freunde wirklich hören wollen.

Oder wir resignieren einfach und stellen enttäuscht fest, dass wir mit kinderlosen Paaren, die ihr Leben nach Karriere ausrichten, mittlerweile zu wenig gemeinsam haben. Eine zu kleine Basis an Gemeinsamkeiten verhindert einfach bei einem Gespräch irgendwie annähernd ähnliche Wellenlängen zu erreichen. Unsere Großtante, die uns regelmäßig im Haushalt hilft, stellte neulich treffend fest: "Zwillinge oder Drillinge sind ein Haufen Arbeit. Und jemand der nicht in derselben Situation ist hat keine Ahnung davon!" In bestimmten Situationen brauchen wir Menschen, die uns verstehen, weil sie Ähnliches erlebt haben. Und wir wollen dann ein "durchhalten ihr schafft das schon" hören und kein "seid doch froh, dass keiner im Krankenhaus liegt!"
Friends come and go! Für jeden Lebensabschnitt gibt es Freunde, mit denen wir unsere Erfahrungen, Freud und Leid teilen können. 

Es ist ja kein Abschied auf immer - vielleicht sind wir in ein paar Jahren ja wieder in ähnlicheren Situationen. Und ich höre unsere "Freunde" schon fragen: "war das mit dem Zahnen bei euren Kids auch so schlimm?"


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