Blackout - alle drei Kinder sind krank

10/31/2015

"Hier sieht es aus, als ob ne Bombe eingeschlagen hätte". Das denke ich schon seit zwei Wochen über unseren Haushalt und muss dabei immer an die Bilder einer Atombombe denke: der Knall kommt meist erst Minuten nachdem man den Riesen-Rauchpilz am Himmel sieht, gefolgt von dieser unglaublich krassen Druckwelle, die dir die Haare zu Boden stehen lässt.


Als vor mehr als zwei Wochen, nach dem Besuch eines (nicht ganz sauberen) Indoor-Spielplatzes (nie wieder fuxini) alles los ging - also die Bombe gezündet wurde - mit einer durchgemachten und durchgekotzten (Pardon für den Ausdruck) Nacht. Hätte ich niemals gedacht was folgen würde: üble Erkältung der Zwillinge, Mundfaule, Windel-Soor, Durchfall und Fieber. Es war einfach alles dabei. Und selbst mir als Vertreterin von alternativer Medizin und Homöopathie, war es irgendwann zu bunt. Und es wurden die harten Keulen aufgefahren.

Seit diesen zwei Wochen war ich nicht nur einmal an dem Punkt, an dem ich laut dachte: "ich kann nicht mehr!" Regelmäßiger Nachtschlaf von 3 Stunden und tagsüber permanente Forderung (quengeln, quietschen, nörgeln und motzen). Das Schlimme war, dass es den Kleinen echt besch...ging. Und du dann als Mama, alles was dich selbst betrifft, absolut einschränkst. Außerdem ist die Anspannung so groß, wenn man sich große Sorgen macht - vor allem, wenn das Fieber sogar mal über 40 Grad steigt steigt, dass manchmal selbst in kurzen ruhigen Phasen, trotzdem keine Ruhe einkehren kann. Man nimmt irgendwie nicht mehr alles richtig wahr und reagiert auch nicht mehr. Mein Wahrnehmungsvermögen erinnert mich in diesen "Krankheitsphasen" an einen regelrechten Rausch und ich denke (zum Beispiel nach dem vierten Mal Windel wechseln innerhalb von 10 Minuten) oft,"wie im Krieg..."
In dieser Zeit schlafe ich nur wenig und gegessen werden die Reste der Kinder auf dem Tisch. Im Ernst: ich komme gar nicht dazu mehr zu essen, da es gerade ein Drahtseilakt ist, bis mal alle drei Jungs was essen und auch bei sich behalten. Wenn also der Tagesordnungspunkt "essen" abgerackert ist, heißt es ohne Verschnaufpause, Windeln wechseln, Händchen halten, Fieber messen. 

Was zum anstrengenden Tagesablauf mit drei kranken Mäusen erschwerend dazu kommt, sind die Arztbesuche. Allein schon alle drei anziehen und ins Auto setzen ist momentan ne Aktion von mindestens ner halben Stunde. Außerdem müssen davor noch die Windeln gecheckt werden und und und. Von unverschämt langen Wartezeiten beim Doktor will ich gar nicht sprechen. O-Ton Arzthelferin: ja, wir haben Ihnen nach dem Anruf heute morgen gleich ein Zimmer frei gehalten, aber nachdem es dann bei Ihnen so lange gedauert hat..." Ja, ist klar. Nächstes mal schaffe ich es in unter einer Stunde mich selbst anzuziehen (die Kinder sind morgens um 8 schon fertig angezogen, während Mama meist auf einen geeigneten Zeitpunkt wartet ins Bad zu hüpfen - und dann doch wieder den ganzen Vormittag im Schlafanzug bleibt), ein krankes Kind umzuziehen, einen Babysitter zu organisieren und schließlich noch 13 Km in den Nachbarort zu fahren inkl. Parkplatzsuche. In den letzten zwei Wochen war ich mit einem, zwei und drei Kindern vier mal bei zwei verschiedenen Ärzten. 

Das zehrt auch an den Nerven. Mittlerweile sind alle drei Jungs wieder gesund und es kommen immer öfter wieder gemütliche "Familienmomente" in denen die Kinder lieb miteinander spielen und die Eltern kurz miteinander sprechen können oder kochen oder aufräumen, putzen etc. Dann passiert es uns ab und zu, dass wir wegen minimalen Kleinigkeiten aus der Haut fahren. Wir - die Eltern - sind jetzt einfach platt nach der anstrengenden Zeit und müssen auch erst wieder ein Nervenkostüm aufbauen. Es ist wie nach einem Blackout. Jeder muss sich erst wieder neu sortieren und seine innere Ruhe wieder finden. 

Ohne unser gut funktionierendes Netzwerk "Familie" und vor allem meine Schwiegereltern hätten wir das nicht geschafft. Wahrscheinlich wär ich jetzt auch krank, wenn nicht körperlich dann im Kopf. 

Ich denke gerade oft, an Eltern mit schwer kranken und sterbenden Kindern. Es muss schier unerträglich sein. Ich möchte gar nicht weiter jammern, wenn ich daran denke. 

Ich sende ganz viel Energie an alle Eltern mit kranken Kindern!


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2 Gedanken zu

  1. Liebe Dreierpackmama,
    ich verstehe deine Frustration und deine körperliche Ermüdung voll und ganz. Hoffentlich bleibt euch das erstmal eine Weile erspart, dass wieder jemand krank ist. Das nächste Mal pack deine Kinder so ein wie sie sind und geh im Schlafanzug. Ich lege dir die Website "People of Walmart" ans Herz (für ein paar Lacher in nicht so heiteren Stunden). Wenn du siehst, wie Menschen hier einkaufen gehen, dann brauchst du dich nicht für Pajamas zu schämen. Schliesslich ist das ein Ausnahmezustand. Ausserdem sieht die Arzthelferin dann vielleicht, dass du am Rande des Wahnsinn's bist. Vielleicht hat sie selbst keine Kinder und deshalb keine Ahnung. Vielleicht war's ihr auch einfach scheissegal. Vielleicht hatte sie wirklich viel zu tun und ihr Mitgefühl war schon erreicht für diesen Tag... egal... wichtig ist, dass es euch nun besser geht. Freu mich, wenn wir uns wiedersehen.
    Alles Liebe,
    N.

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    1. Hallo liebe Nina,
      Du hast ja so recht. Wenn alles schief läuft, geht man oft davon aus, dass alle anderen es doch besser haben und mehr Mitgefühl an den Tag legen könnten. Aber dass unsere Mitmenschen auch zu oft an die Grenzen ihres Mitgefühls stoßen wird vergessen!
      Ich freue mich auch auf ein Wiedersehen und den Austausch von vielen lustigen Kindergeschichten!
      Deine Dreierpackmama

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