So is es... oder doch nicht (Pt. 1 - der Erste)

8/13/2015

So is es - sagt mein neunmalkluger 2,5 Jahre alter Sohn. Mich hauen Floskeln wie diese von so einem kleinen Mann immer wieder um vor Erstaunen.

Aber jetzt frag ich mich wirklich, "is es so"? Das Mama-Sein und Familie haben?

Im Nachhinein betrachtet, war mein Leben vor den Kindern weniger nervenaufreibend. STOPP! 

Ne, ich erinner mich, dass ich vor und auch schon während der ersten Schwangerschaft ziemlich überarbeitet war. Oft habe ich die Arbeit und den Laptop mit nach Hause genommen. Auch die Wochenenenden waren verplant mit Auswärts-Terminen und Messe-Auftritten. Stress mit Kollegen und Chef, Sitzungen und Vorträge, ständige Terminverschiebungen, und die immer währenden Unterbrechungen wenn man gerade mitten in der Buchhaltung steckt. Ja, das hat mich gestresst. Multi-Tasking war wichtig und ich war fest davon überzeugt, dass ich darin eine kleine Expertin bin. Ich konnte mir aber partout nicht vorstellen, dass es noch dicker kommen könnte. Dennoch - es gab einen Feierabend und Freizeit. Dieses Wort existitiert heute nicht mal mehr in unserem Wortschatz. Wir waren im Fitness-Studio, Joggen, Sauna, Schwimmbad, Konzerte und nicht zu vergessen der übliche Lümmelfeierabend mit "Verbotene Liebe" und Vorabend-Krimi. 

Ach, waren das Zeiten. Das "Kinder-Haben" hab ich mir gemütlich vorgestellt: viel Zeit für Hausarbeit und Heimwerker-Projekte, lustige Urlaube mit langen Spaziergängen, viel Kuscheln im gemeinsamen Bett. Na klar, hab ich von vielen Eltern im Umfeld mitbekommen, dass es auch mal Schlafmangel geben kann und dass man halt abends nicht mehr so weggehen kann. Aber -und das klingt jetzt altklug- wenn man es nicht selbst erlebt hat, hat man KEiNE Ahnung!
Monatelang nicht länger als drei Stunden schlafen ist hart und verändert einen. Mit einem Kind lassen sich Defizite aber mittags gut nachholen, sofern man nicht arbeiten muss! (An dieser Stelle Props an alle berufstätigen Papas und Mamas.) Körperlich gestresst haben mich Kämpfe auf der Wickelauflage und ehrlich gesagt auch das Stillen, nachdem man total verschwitzt vom Spaziergang (Kinderwagen und Kind alleine die Treppe hochgetragen) kommt und selber einfach nur Durst hat und dringend mal wo hin muss. Naja, persönliche Freiheiten und Rechte sind mit Baby oder Kleinkind schon eingeschränkt. Jeder kann seinem Hobby schon noch nachgehen, halt nicht mehr so oft und es muss viel koordiniert werden. So lange das Kind wach ist bleibt die Glotze aus. Während man das Kind füttert, stellt man sich vor selbst gerade zu essen und hat danach gar keinen Hunger mehr (manchmal) (Mit einem Kind war meine Technik des "Nebenher-Selbst-Essens" noch nicht perfektioniert). Denn wenn man sich vornimmt, nach dem Kind zu essen - forget it: Windel voll oder gaaaaanz müde und quengelig. <Nein, Mama darf jetzt nichts essen...> Selbst, wenn man dann doch seine Bedürfnisse durchsetzt...schmeckt das noch? Mit schreiendem Baby am Stuhlbein oder auf dem Schoß. Da krieg ich schon vom drüber schreiben ein Magengeschwür. Und dann will das Kind ja auch immer bespaßt werden. <Kommt nicht in Frage, dass Mama jetzt Zeitung liest oder das Handy zur Hand nimmt>. Es ist unheimlich schön mit seinem Kind zu spielen und es auch nur beim Spielen zu beobachten. Das ist wichtig und die Zeit hab ich mir (beim Ersten) ausgiebig genommen. Aber noch viel schöner war es zu sehen, wie er sich alleine mit seinen Autos auf den Boden legt und Brumm Brumm Geräusche macht - und später seine Autos miteinander sprechen lässt ("Hallo, wer bist Du denn?") oder sich in sein Bett setzt und ein Buch anguckt... Alleine! In der Zeit werden keine Bücher gelesen, Nähprojekte gestartet oder lange E-Mails verfasst. Nein, Wäsche, Küche oder Bad stehen auf dem Plan. Innerlich zähle ich immer schon den Countdown von 10 Minuten runter und feuere mich selbst an. Denn spätestens dann heißt es wieder <Mama, wo bist du?>
Was ich mir auch definitiv nicht so vorgestellt hätte ist diese enorme Bindung. Nochmal was krasseres als das was ich schon als Liebe erlebt habe, für jemanden zu empfinden, das kann man, bevor es soweit ist, einfach nicht erfassen oder erahnen. Es ist überwältigend. Und so denke ich auch an die Zeit mit NUR einem Kind zurück: 1,5 Jahre lang viel Liebe, viele (kleine) Wunder und ein bisschen Stress...

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